Editorial

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„By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes“

William Shakespeare, Macbeth

Liebe Leserinnen und Leser, 

Lange bevor Kürbisse Gesichter bekamen und bevor jemand auf die Idee kam, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen, hinterließ Shakespeare diese ominöse Zeile: „By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes“ –

manche Dinge spürt man an den Fingerspitzen, bevor man sie sieht. Manchmal naht etwas, das nicht ganz zur Tagesordnung gehört.

Es ist jetzt ungefähr einen Monat her, dass die Schule wieder begonnen hat. Die ersten Wochen voller neuer Stundenpläne, fünfstündigen Klausuren (leider) und hoffentlich gelungenen Versuchen, sich an den Rhythmus zu gewöhnen, liegen erstmal hinter uns. Und genau jetzt, während der Alltag sich gerade einzurichten beginnt, öffnet der Herbst die Tür einen Spalt weiter. Die Nächte werden länger, die Schatten dunkler, und Shakespeares drei Hexen warten irgendwo im Nebel darauf, uns in die Halloween-Zeit zu begleiten.

Während es draußen kälter und drin wärmer wird, bemerken wir auch Veränderungen in uns selbst. Wir ziehen uns zurück, schlafen länger und geben uns der herbstlichen Geschmackspalette hin: Ein Hauch von gemahlenem Zimt auf dem Milchschaum eines Pumpkin Spice Lattes.

Selbst die Schule verwandelt sich in diesen Wochen in ein altes Herrenhaus aus einem Buch, das man nie ganz vergessen hat, sei es Thornfield Hall oder das Haus Usher. Morgens scheint das Mondlicht in den Gang vor dem Lehrerzimmer und die Räume der dritten Etage haben wie immer den besten Blick auf den späten Sonnenaufgang. Die Flure wirken länger und besonders ominös. Die Fenster blicken einen länger an als nötig. Es knackt im Flur, obwohl niemand dort sein sollte. Vielleicht war das nur der Wind oder Herr Tech in seinem Biologie-Raum. Vielleicht nicht. Man hat immer das Gefühl, dass etwas hinter der Ecke wartet.

In dieser Ausgabe haben wir genau diese Gefühle berücksichtigt und dabei eine ganze Sammlung an Geschichten und Ideen zusammengetragen. Es gibt herbstliche Rezepte, die nach Wärme und Zuhause riechen (Kürbissuppe und Zimtschnecken), ideenreiche Halloween-Streiche für alle, die den Geist der Jahreszeit ein wenig zu ernst nehmen, und zwei Tests: Welches Halloween-Wesen steckt eigentlich in dir? Und welchen meiner Lieblings-Halloween-Filme solltest du als Nächstes schauen? Dazu eine sorgfältig zusammengestellte Herbst-Playlist, eine Liste von Filmen und Serien, die perfekt zur Jahreszeit passen, ein Gedicht über das Erwachen der Nacht und ein etwas nachdenkliches Stück über die Frage, was passiert, wenn deine Meinung vielleicht gar nicht nur dir gehört.

Vielleicht ist Halloween nur eine elegante Ausrede, um zuzugeben, dass wir das Unbekannte mögen. Meiner Meinung nach ist es die einzige Zeit des Jahres, die uns beweist, dass nicht alles immer hell, klar und erklärbar für uns Menschen ist. 

Als Schülerin der Q2 ist dies mein letztes Jahr am Goethe-Gymnasium und damit auch meine letzte Herbstausgabe, an der ich im Goethe-Journal mitwirken durfte.

Ich empfehle euch, liebe Leserinnen und Leser, von ganzem Herzen, einen Blick auf unsere früheren Herbstausgaben zu werfen. Ihr werdet dort ebenso wunderbare Artikel finden, geschrieben von anderen Autoren oder vielleicht auch von demselben Team wie in diesem Jahr. Ich war beide Male dabei und kann sagen, dass das Team genauso kreativ geblieben ist, wie es damals war. 

Wenn ihr euch beim Lesen denkt „Ich möchte einen Artikel schreiben“, dann meldet euch gerne bei uns. Wir suchen immer neue Mitglieder: Autoren, Comic-Zeichner, Fotografen, alle, die Lust haben mitzuwirken. Schickt mir eine Nachricht (siehe Impressum) und fangt einfach an zu schreiben. Wir freuen uns auf jeden von euch.

Mit journalistischer Begeisterung und dem Geist von Halloween,

Eure Chefredakteurin

Lucia Cortijo Bien 

Zusammen mit dem gesamten Redaktionsteam