Wenn langsam sich der Abend senkt,
der letzte Schein im Fenster hängt,
wird still, was eben lebendig war,
und fremd erscheint, was gestern klar
Die Straßen liegen leer und weit,
getragen von der Dunkelheit
Ein Wind fährt raschelnd durch das Laub,
ein Schatten tanzt im Straßenstaub
Am Fenster zieht ein fahles Licht vorbei
plötzlich sieht man nicht,
ob dort im Glas, im schwarzen Raum,
ein fremder Blick liegt oder Traum
Ein Knacken. Stille. Noch ein Ton.
Vielleicht ein Ast. Vielleicht auch schon
etwas, das niemand sehen kann,
etwas, das näher kommen kann
Doch je länger man im Dunkeln steht,
je weniger man wirklich sieht,
desto mehr beginnt der Kopf
aus Schatten eine Welt zu bauen
Denn Angst braucht keine Gestalt,
kein Gesicht und keinen Schritt.
Sie wächst dort, wo etwas fehlt,
und nimmt die eigene Vorstellung mit
Vielleicht war nie jemand dort
Vielleicht war alles nur der Wind
Vielleicht ist das Unheimlichste,
wie leicht wir selbst zu Täuschern sind
Und wenn am Morgen Licht entsteht,
die Nacht aus unseren Fenstern geht,
bleibt nur die Frage, still und sacht..
..War es wirklich dort..
oder nur die Nacht?

