Für die meisten von uns ist die Osterzeit bereits vorbei. Die Feiertage vom Karfreitag bis zum Ostermontag sind Eckpunkte dessen, was man sich heute an Ostern vorstellt – Ostereier suchen, Schokohasen essen, und Eier färben; dies sind alles geliebte Traditionen, welche unser Verständnis von Ostern prägen. Dennoch dauert das eigentliche Osterfest des Christentums 50 Tage, von der Auferstehung Jesu Christi bis Pfingsten. Somit handelt es sich hierbei um das wichtigste Fest der Christen – der Sieg über Tod und die Hoffnung auf ewiges Leben.

Das 2000-jährige Fest begann weder mit Osterhasen noch mit Schokoeiern, sondern hat seine Wurzeln im jüdischen Glauben und in den Ereignissen des Neuen Testaments. Das jüdische Passahfest, bereits im Alten Testament beschrieben (Ex 12), feiert die Befreiung des Volkes Gottes aus ägyptischer Sklaverei. Es besagt, dass die Israeliten ein makelloses Lamm schlachten sollten, um mit dessen Blut die Pfosten des Hauses zu bestreichen. Der Name „Passa“ hängt mit dem hebräischen „Vorübergehen“ zusammen, da in dieser Nacht die Erstgeborenen aller Häuser, die nicht mit Lammblut bestrichen waren, vom Todesengel getötet wurden.

Bei den Häusern des Volkes Gottes ging der Engel vorbei. Gott verschonte die Israeliten, da ein makelloses Lamm an ihrer Stelle starb und dessen Blut die Tür bedeckte. Somit erlebte das Volk Erlösung durch die Opfergabe eines fehlerlosen Wesens. Dieser Gedanke wird im Neuen Testament besonders wichtig, da die Botschaft des Passahfestes auch die des Karfreitags ist.
Das Passahfest sollte ein Zeugnis davon sein, dass Erlösung durch Stellvertretung möglich ist. Trotz dessen musste das Volk Israel für seine Sünden die Tradition des Passahfest aufrechterhalten, weshalb die endgültige Erlösung erst im Neuen Testament geschieht.

Jesus wuchs im jüdischen Glauben auf und verbrachte sein letztes Passahfest, das letzte Abendmahl (Gründonnerstag), mit den Jüngern und sprach „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird (…) Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“ (Lk 22,19-20). Damit deutete er sein bevorstehendes Leiden und Sterben als Passalamm an. Auch im Evangelium nach Johannes sagt der Täufer: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh 1,29). Es sind die vier Evangelien, – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – die von Jesu schicksalhafter Opfergabe berichten, in jenen seine Kreuzigung zur ultimativen Erlösung des Menschen wird. Genauso wie Gott die Israeliten durch die Opfergabe des Lammes aus der ägyptischen Sklaverei befreite, befreite Jesus die Menschheit von Tod, Sünde und Vergänglichkeit.

Somit dienen die Kreuzigung und Auferstehung Christi als ewige Erinnerung an Hoffnung auf Leben nach dem Tod und an die Gnade Gottes. Ostern symbolisiert den Sieg über Angst, Dunkelheit und Sünde.
Ein weiterer Aspekt des Osterfests ist das bewegliche Datum, welches jedes Jahr auf einen anderen Tag fällt. Im Jahr 325 n. Chr. beschloss das Konzil von Nicäa, einberufen von Kaiser Konstantin, ein einheitliches Osterdatum für das ganze römische Reich zu finden: der erste Sonntag nach dem Vollmond, der auf den Neujahresbeginn (heute Frühlingsbeginn) folgt. Zu dieser Zeit war es üblich sich nach dem Mond zu richten, da sogar der altrömische Kalender nach seinen Phasen aufgebaut war. Dieses Jahr fiel der Ostersonntag auf den 5. April, drei Tage nach dem Vollmond des 2. Aprils, der erste nach Frühlingsbeginn.

Anschließend stellt sich die Frage: Woher kommt der Begriff „Ostern“ und wieso heißt das Fest so? Tatsächlich ist die Bedeutung des Namens noch heute umstritten. Das Wort „Ostern“ wird sprachlich oft von dem altgermanischem Wort „austrō“ abgeleitet, was „Morgenröte“ bedeutet. „Ostern“ lässt sich auch mit der östlichen Himmelsrichtung verbinden, da dort die Sonne aufgeht und somit die Auferstehung Jesu symbolisiert. Dennoch lautet die häufigste Theorie, dass der Name des Fests von der germanischen Frühlingsgöttin Ostara kommt, dessen Attributen Frühling, Fruchtbarkeit und Morgenröte sind.
Diese Vermutung beruht auf der Schrift De temporum ratione (725 n. Chr.) des angelsächsischen Mönches Beda Venerabilis, in dem die Göttin erwähnt wird: „Der Eostur-Monat, der heute als Ostermonat interpretiert wird, wurde früher nach ihrer Göttin benannt, die Eostre hieß und der sie in diesem Monat Feste feierten, und nach deren Namen sie heute die Osterzeit benennen (…)“.

Von dieser Textpassage ließ sich der deutsche Autor Jacob Grimm inspirieren, indem er sich für sein Werk Deutsche Mythologie eine gemeingermanische Licht- und Frühlingsgöttin, namens Ostara ausdachte. Den Namen erschloss er sich nur aus dem Text Bedas und dem allgemeinen Begriff der Osterzeit. Deshalb wird die Idee einer Göttin als Ursprung der Osterfeier grundsätzlich abgelehnt. Dennoch besteht ihre Relevanz in einigen spirituellen Kreisen, die neopagane Rituale und Feiern praktizieren. Diese Anhänger sehen Ostara als Macht der Fruchtbarkeit und des Frühlings.
Das Hauptelement der Osterfeier liegt für die meisten Leser in den Bräuchen und Symbolen, die wir mit dem Fest assoziieren; Hasen, Eier, das Osterfeuer und die Osterkerze.
Zunächst ist der Osterhase ein geliebtes Highlight, dient dennoch nicht nur als Bringer von Geschenken, sondern auch als Symbol der Fruchtbarkeit des Frühlings. Er ist eines der Tiere, die im Frühling als erstes Nachwuchs bekommen, weshalb der Hase schon seit der Antike als Bote der Frühlingszeit und des Lebens gesehen wird. In Byzanz symbolisierte das Tier auch den auferstandenen Christus, der niemals einschläft, da die Hasen keine Augenlieder haben.

Auch das Bemalen der Eier ist eine Traditionen, die tiefe Wurzeln hat. Das Ei ist der Inbegriff der Fruchtbarkeit, weshalb es natürlich im Vordergrund der Feier steht. Dennoch lässt sich dies auch darauf zurückführen, dass Eier während der Fastenzeit nicht gegessen werden durften, weshalb man sie durch das Kochen haltbar machte. Es wurde zwischen den gekochten und rohen Eiern unterschieden, indem man die gekochten färbte. Man bemalte sie traditionell rot, um das Blut Jesu zu symbolisieren. Somit stehen sie sowohl für die Fruchtbarkeit und Erneuerung des Frühlings als auch für die Kreuzigung, welche einen essenziellen Teil der Osterzeit ausmacht.
Das Osterfeuer, ein weniger praktizierter Brauch, symbolisiert Licht, Wärme und den Beginn der Frühlingszeit. Außerdem wird es mit der Auferstehung Jesu assoziiert, insofern, dass es für den Sieg über Tod steht und uns kontinuierlich an die Macht des Guten erinnert. In heidnischen Traditionen wird das Frühlings- bzw. Osterfeuer als Abschied des Winters gesehen. Die Flammen sollen die Sonne grüßen und nach Segen für die Feldern bitten.

Des Weiteren wird die Osterkerze als Teil der Liturgie der Osternacht angezündet und in die Kirche getragen, wobei „Lumen Christi“ – Licht Christi – gerufen wird. Diese Tradition steht im Mittelpunkt der Osterliturgie und symbolisiert die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, da er in die Welt gekommen ist, um Dunkelheit zu vertreiben. Die Prozession wird außerdem dreimal mit dem Gesang „Christus ist das Licht – Gott sei ewig Dank“ begrüßt. Osterkerzen sind weiß, als Symbol des neuen Lebens und werden mit den Buchstaben Alpha (A) und Omega (Ω) beschrieben, als Erinnerung an Christus, der Anfang und das Ende, der Schöpfer und Vollender. Die Jahreszahl auf der Kerze symbolisiert, dass Er noch in diesem Jahr anwesend ist.
Nach einer langen Reise durch die vielen Bräuche und Hintergründe von Ostern, sehen wir, dass es um mehr als Schokoeier und Hasen geht. Wir werden jedes Jahr daran erinnert, dass das Leben den Tod besiegt und das Gute immer über dem Bösen stehen wird. In einer Zeit, die von Kriegen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt ist, wenden wir uns an die Auferstehung Jesu Christi und der Kern der Feier besteht: Es geht um Erneuerung, um den Übergang vom Tod zum Leben und um Hoffnung. Ob man dies im traditionellen Glauben oder im Ostereiersuchen mit seinen Geschwistern findet, ist nicht die Essenz der Feier – man weiß, dass nach schweren Zeiten wieder bessere kommen können. Das Fest verbindet alte Geschichten mit unserem modernen Alltag und macht den gesamten Frühling heller.
Quellen
https://eldaring.de/2005/04/27/goettin-ostara/#:~:text=Gegen%20die%20Existenz%20dieser%20Göttin,ist%20auch%20nicht%20ganz%20unberechtigt. Stand: 11.04.2026
https://boari.de/woerterbuch/ostern.htm Stand: 11.04.2026
https://emslandmuseum.de/2025/04/07/fest-der-morgenroete-oder-goettin-ostara/ Stand: 11.04.2026
https://nazarenerjuden.de/heidnische-urspruenge-von-weihnachten-und-ostern-eine-bibelkritische-betrachtung/ Stand: 11.04.2026
https://www.ndr.de/ratgeber/Ostersymbole-Was-bedeuten-Hasen-Eier-Laemmer-und-Feuer,ostersymbole100.html Stand: 11.04.2026
https://katholisch.de/artikel/491-von-hasen-und-eiern Stand: 11.04.2026
http://www.nabkal.de/beda/beda_16.html Stand: 11.04.2026
https://www.die-bibel.de/ressourcen/basisbibel/brauchtum-und-kult/passafest Stand: 11.04.2026
https://www.evangelium21.net/media/3742/wie-jesus-das-passahfest-erfuellte Stand: 11.04.2026
https://www.planetwissen.de/kultur/religion/ostern/index.html#:~:text=Vorläufer%20des%20christlichen%20Osterfestes%20ist,der%20ägyptischen%20Sklaverei%20geführt%20hat. Stand: 11.04.2026
https://www.oikoumene.org/de/resources/documents/frequently-asked-questions-about-the-date-of-easter Stand: 11.04.2026
https://www.bibeltv.de/christliche-feiertage/ostern Stand: 11.04.2026
https://www.zdfheute.de/wissen/ostern-ursprung-bedeutung-herkunft-christen-100.html Stand: 11.04.2026

